Ostern in Südtirol: Osterhase, Palmesel und Co

Ein Fest, das um die Welt geht…

Das höchste Fest des Christentums könnte nicht reicher an großen Riten, regionalen Bräuchen und intimen Familientraditionen sein. In aller Herren Länder feiert man Ostern auf verschiedenste und doch oft verwandte Weise: In den USA werden direkt am Weißen Haus vom Präsidenten und der First Lady signierte Holzeier über den Hang hinuntergerollt, die die Teilnehmer schließlich behalten dürfen. Die Finnen schlagen sich gegenseitig mit Birkenruten, um an die Palmwedel beim Einzug Jesu in Jerusalem zu erinnern. Und am anderen Ende der Welt schöpfen verlobte Paare in Australien Wasser aus Bächen und bewahren dieses bis zum Hochzeitstag auf, um einander schließlich damit zu segnen. Doch um spannende Bräuche zu finden, muss man sich nicht unbedingt auf eine Weltreise begeben. 

… und auch zu Hause ganz groß ist

In Südtirol finden wir die erste Ostertradition bereits eine Woche vor dem eigentlichen Fest: Wer am Palmsonntag als letztes aus den Federn kommt, wird zum Palmesel gekürt und darf in aller Freundschaft gehänselt werden.
Der eigentliche dreitägige Festkreis beginnt mit dem Eierfärben an Gründonnerstag. Während der Osterhase hierzulande traditionell wenig mehr als ein Symbol, eine Art Oster-Maskottchen für die Kleinen ist, sind die vermeintlich von ihm gebrachten Eier nicht selten der Blickfang und ganze Stolz des Gastgebers beim Ostermahl am Sonntag. Traditionell werden die Eier mit verschiedenen natürlichen Farbstoffen von Obst, Gemüse oder Blumen gefärbt: Spinat eignet sich hervorragend für kräftig grüne Eier, rote Bete selbstredend für ein leuchtendes Rot, blau werden die Eier hingegen am besten mit schwarzen Weintrauben oder Holunderbeeren. Poliert man die gefärbten Eier dann noch mit einer Speckschwarte auf Hochglanz, strahlen sie wie bunte Edelsteine im Eierkörbchen.

Von bunt zu grau

Wenn der Gründonnerstag ganz im Zeichen des Buntseins steht, dann ist die Grundfarbe des Karfreitags grau. Am Todestag Christi wird streng gefastet und Demut geübt. Traditionell sind am Karfreitag alle Märkte, Sportveranstaltungen und ähnliche Events untersagt, viele Geschäfte bleiben geschlossen und im eigenen Haushalt wird auf Fleisch verzichtet. Dieser Akt des Verzichts und der Mäßigung gehört zur Vorbereitung auf den Ostersonntag dazu. Genauso wie die Weihe der Speisen für das Ostermahl.

Die großen Drei am Ostertisch

Mancherorts lassen Gläubige einen Korb voller Lebensmittel bereits am Karsamstag zur Mitternachtsmette weihen, die meisten bringen ihn aber erst am Ostersonntag in die Kirche. Was bei einem Ostermahl in Südtirol keinesfalls fehlen darf, das sind der Osterschinken, der Kren bzw. Meerrettich und der Fochaz. Letzteres ist ein Hefegebäck, das in seiner urigsten Form heutzutage noch vor allem im Vinschgau anzutreffen ist, und häufig auch als Zopf, Hase oder Ostertaube - hier zeigt sich deutlich der Einfluss der italienischen Tradition - gebacken wird. Das Osterbrot wird traditionsgemäß von den auch als Téit oder Touta bzw. Got oder Gotl bekannten Paten geschenkt.

Schale um Schale, Ei um Ei 

Den Höhepunkt des Osterzyklus stellt natürlich das Festmahl am Ostersonntag dar. Auf dem prächtig gedeckten Tisch, voll mit gesegneten Speisen, würzigem Kren, saftigen Schinken und duftendem Osterbrot, strahlt es kunterbunt aus dem Eierkörbchen. Doch bevor man sich „Guten Appetit“ - oder wohl ortsgetreuer: „Mahlzeit“ - wünscht, ist es Zeit fürs Pecken! Bei dem spielerischen Eierkrieg, auch Eierguffen oder Eierhecken genannt, sucht sich jeder eines der bunten Ostereieraus und fordert einen Tischgesellen heraus. Dabei hält einer der beiden sein Ei in der Hand und der andere klopft mit seinem dagegen, bis eines der beiden Eier zerbricht. Die Eier werden umgedreht, die Rollen der Klopfenden vertauscht und so geht es weiter, bis nur noch ein nicht gänzlich zersprungenes Ei übrig bleibt. Beim Preisguffen darf der Sieger die zersprungen Eier sowie eventuelle Preise für sich beanspruchen. Doch in der Regel wird auch hier stets miteinander geteilt.

Das Osteressen endet meist mit vollgeschlagenen Bäuchen, Fochazkrumen und Eierschalen auf dem Tisch verteilt, den Kleinen, die aufgeregt an Schokoeiern puhlen und dem Gedanken, dass es Gott sei Dank noch den Ostermontag zum Verdauen gibt.